Eine Überdosis Liebe, Rowohlt 1985
Einsam, Zweisam, Dreisam, Rowohlt 1987
Das Herz ist eine miese Gegend, Rowohlt 1991
Spatz in der Hand, Eichborn 1992
Der Himmel fängt über dem Boden an , Eichborn 1994
Der langsame Tanz, Eichborn 1998
Andrea und Marie, Blanvalet 2001
Das Aquarium, Eichborn 2002
Die gefährliche Frau Piper 2004
Singvogel Piper 2005
Eine kurze Geschichte vom Glück Piper 2007
Aprilwetter Piper 2009
Fallers große Liebe Piper 2010
Heimweh nach dem_Ort, an_dem ich_bin

Eine Überdosis Liebe  

153 Seiten, Rowohlt Taschenbuch 1985
ISBN 3 4991 5656 3
Umschlaggestaltung:  Britta Lembke 

Die Seifenblase hat viele Bedeutungen: Sie sagt dem Kenner, der sie von einem Fettauge unterscheiden kann, daß er diese Suppe besser nicht probiert, weil das nämlich eine Waschbrühe ist; sie dient dem Philosophen als Beweis, daß “Fast Nix mit einem winzigen bißchen Wasser außenrum” schon die eigene Umgebung reflektieren kann; sie ist dem Kind ein Ballon, ein Prinz oder eine Raumpatrouille und dem Kunststudenten eine Möglichkeit, im Kurs “Körper und Licht - Perspektivische Spiegelungen” ein paar Lorbeeren einzuheimsen; der Art-Director kann sie aus Rita Hayworths Mund blubbern lassen, und der Theaterregisseur kann sie immer als Symbol einsetzen. Egal für was. Hauptsache Symbol. Die Dichter sind am schlechtesten dran. Sie haben die Seifenblase zwar immer griffbereit im Metaphernarsenal, aber immer nur zum Platzen. Blop.
In einer schwäbischen Universitätsstadt, die wie Rom auf sieben Hügeln schläft, saß am Fuße eines dieser Hügel ein junger Mann...

Der liebe Satz:

Wen drastische Begriffe nicht stören, der wird mit der “Überdosis Liebe” ein heißes Bad kalt werden lassen. (Meier – Heidelberg)

Der böse Satz:

Genau hinsehen will diese Sprache nicht, sie macht dicht und schottet ab. (Schwäbisches Tagblatt)

Piper Taschenbuch 2008
ISBN-10: 349225005X
ISBN-13: 978-3492250054

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Einsam, Zweisam, Dreisam 

250 Seiten, Rowohlt Taschenbuch 1987
ISBN 3 4991 5958 9
Umschlaggestaltung:  Dieter Wiesmüller

Zum Beispiel:
Ein amerikanischer Filmregisseur in den vierziger Jahren stellt sich den Himmel als einen Platz vor, an dem lrving Berlin, Cole Porter und George Gershwin Poker spielen. Wenn einer von ihnen vier Asse hat, dann sind das As-dur, As-moll, As-major-seven und as Marilyn got her Skirt blown up by the goddam Luftschacht.
Für einen französischen Regisseur wäre Catherine Deneuve die beste Wahl für die Rolle von Gott. Yves Montand könnte die Mutter Maria spielen, lsabelle Huppert und Nathalie Baye als Heiliger Geist würden abwechselnd den großen Citroen durch die Wolken steuern.
In Italien so etwa dasselbe, nur haben die Frauen riesengroße Brüste und steht mehr Essen auf dem Tisch.
In England kommt man gar nicht auf so eine Idee, denn erstens würde die Schauspielergewerkschaft verlangen, daß zwei Drittel Engländer auf ein Drittel Engel kommen, und zweitens würde Hitchcock auf seiner obligatorischen Nebenrolle bestehen ...

Der liebe Satz:

...so geistreich und frech, daß man das Buch gleich dreimal hintereinander lesen möchte. (B. Busch - Brigitte) 

Der böse Satz:

Beziehungen müssen nicht so sein, sie können so sein. Geschichten darüber sollten nicht so sein. (Stefan Kast – Jugendschriftenzentrale)

Piper Taschenbuch 2007
ISBN 978-3-492-24658-3

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Das Herz ist eine miese Gegend   

260 Seiten, Rowohlt Taschenbuch 1991
ISBN 3 4991 2766 0
Umschlaggestaltung:  Britta Lembke

 

Kennedy starb vor Winnetou. In einem Blaupunkt-Radio der eine und im Scala beim Bahnhof der andere. Ein Buch lag auf einer Kommode, es hieß “Der gelbe Stern”. Ein Kind betrachtete die Bilder darin und bekam davon ein Siegel auf die Seele. Ein Bauplatz kostete achtzigtausend Mark und ein Fertighaus mit Fundament hundertzwanzigtausend. Eine Oma hatte soviel Geld gespart. Eine Sache, die einem gefiel, nannte man «prima».

Im Hochsommer  neunzehnhundertsechsundsechzig  stellte Giovanni fest, daß die Dinge zwei Seiten haben. Mindestens. Es war ein Tag im August, er ließ gerade einen Haufen trockener Erde von der Schippe rutschen, wischte sich den Schweiß von der Stirn und eine Dreckspur drauf, warf die Schippe aus dem Graben, in dem er arbeitete, und nahm einen Schluck Mineralwasser aus der Flasche. Lauwarm.
Das Mineralwasser hieß damals noch saurer Sprudel.
Giovanni war genau dreizehn Jahre, drei Monate und sechzehn Tage alt, die Sonne stand senkrecht am Himmel, sein Vater war eben im nahen Gebüsch verschwunden...

Der liebe Satz:

...fast zu schön um wahr zu sein. (Gabriele Schoder – Badische Zeitung) 

Der böse Satz:

Wahrscheinlich hätte ich das Buch nicht mal zu Ende gelesen, wenn ich mich nicht auf einer Bahnfahrt ohne Tageslicht und Lektürealternativen befunden hätte. (quichotte – Leserrezension bei Amazon.de)

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Spatz in der Hand   

224 Seiten, Eichborn 1992
ISBN 3-8218-0276-6
Umschlaggestaltung  Uli Gleis

 

Nur wenig wird im folgenden die Rede sein von Männern, deren hormoneller Autopilot sich schon beim Anblick einer am Horizont wehenden blonden Löwenmähne zuschaltet und direkt in den Steigflug geht, wenn das Alter der Löwin noch weit von Mitte Zwanzig entfernt ist, um allerdings unverzüglich den Absturz einzuleiten, wenn eine Brustweite unter neunzig oder Brille ins Spiel kommt. Der hormonelle Autopilot steuert die allermeisten.
Und für die allermeisten gilt auch die Regel, daß Herz und Verstand, wenn sie schon im selben Menschen vorkommen, in einiger Entfernung voneinander untergebracht sein müssen, jenseits von Sicht- oder Rufweite, da sonst der Sinn des Lebens in Gefahr gerät. Mit "Herz" ist hier der hormonelle Autopilot gemeint und mit "Sinn des Lebens" das Vergnügen ohne Reue, von dem die Männer in ihrem jahrhundertealten Jägerlatein noch heute schwadronieren und träumen. Natürlich nur die allermeisten... 

Der liebe Satz:

Kann man leider nicht mehr weglegen. (Christine Hasper – NDR 2 Taschenbuchtipp)

Der böse Satz:

Ein Gottschalk der Literatur. (Joseph Berlinger – Mittelbayerische Zeitung) 

Piper Taschenbuch 2006
ISBN-13: 978-3-492-24068-0
ISBN-10: 3-492-24068-2

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Der Himmel fängt über dem Boden an  

253 Seiten, Eichborn 1994, ISBN 3-8218-0273-1
Umschlaggestaltung: Uli Gleis

Es ist Sommer. Der letzte meiner Kindheit. Wobei ich vielleicht gleich dazusagen sollte: meine Kindheit war rekordverdächtig lang. An meinen achtundzwanzigsten Geburtstag kann ich mich zum Beispiel nur noch sehr vage erinnern - er mag so etwa fünf, sechs, sieben lahre her sein. Jetzt, in diesem Sommer, bin ich jedenfalls kein Schlagzeuger mehr. Und auch kein Artikelschreiber, der anfangs Schlagzeuge, dann Schlagzeugcomputer und dann nur noch deren Software für ein Musikermagazin testete, um schließlich von einem jungen Streber mit Bürstenschnitt in die Anzeigenabteilung abgedrängt zu werden. Ich schreibe auch keine Science-fiction- Geschichten mehr für einen Heftchenverlag, und mein Taxischein vergilbt irgendwo und verwandelt sich in Staub, aber das nehme ich nur an - ich hatte keinen Grund mehr, nach ihm zu suchen, denn er gilt schon seit Jahren für die falsche Stadt.
Und seit einer Woche bin ich auch kein Fahrer mehr, der Kurierpost, Reinzeichnungen von Grafikem, Dokumente, Unterlagen, Rohschnitte von Filmen oder Masterbänder mit Musik von einem Ort zum ändern bringt. Ich bin gerade mal wieder gar nichts mehr...

Der liebe Satz:

In den achtziger und neunziger Jahren mit der Verve der Keun erzählen zu können, erscheint mir ein hohes Lob. (Andreas Kühne – Süddeutsche Zeitung)

Der böse Satz:

Ein bißchen Klatsch, viel Erotik, ein wenig Lebensweisheit: na, ja. (Klara Blum – Die Woche)

Piper Taschenbuch 2005
ISBN 3-492-24069-0

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Der langsame Tanz 

195 Seiten, Eichborn 1998
ISBN 3 8218 0562 5
Umschlaggestaltung: Uli Gleis

 

Befreit? Aber wovon denn? Von der Zeit etwa? Blödsinn. Zeit ist abstrakt. Man wird sie nicht los, indem man eine Uhr wegwirft. Und doch, er fühlt sich so, als ginge er auf Einlegesohlen aus Luft. Vier Millimeter höher. Und wenn er sich nur selbst damit beeindruckt hat: Eine Dreihundertmarkuhr einfach so fallenzulassen war eine erlösende Tat. Den Trick merk ich mir, denkt er, im Trauerfall die Uhr in den Gully, und schon ist im Paß der Eintrag "Körpergröße" falsch. Trauerfall? Aber ohne mich. Ich werfe nur Ballast ab. Die Uhr war ein Geschenk von Marianne. Wozu sich jetzt noch mit Gewichten belasten, die sie mir angeschnallt hat? Brauchst du mich nicht, dann brauch ich deine Uhr nicht. So einfach ist das. Und so wohltuend. Nur eine Geste. Ein Symbol. Nur Imponiergehabe ohne Publikum, und doch so befreiend wie ein Zug an der Krawatte.

Er hat die Uhr vom Handgelenk gestreift und sie, zwischen Daumen und Zeigefinger baumelnd, über dem nächsten Kanaldeckel der Schwerkraft überlassen. Ab in die Kloake mit Mondphase, Datum und Sekundenzeiger...

Der liebe Satz:

Thommie Bayer ist mit diesem sechsten Roman, seinem vielleicht besten, selbst ein Kunststück gelungen. (Martin Ebel – Deutschlandfunk)

Der böse Satz:

...das Spiel mit der Künstlichkeit trübt das Lesevergnügen an einer nur halb gelungenen Modelltragödie, die gleichwohl Bayers Ruf als intelligenter Unterhalter bestätigt. (Richard Kämmerlings – Neue Züricher Zeitung)

Piper Taschenbuch 2004 
ISBN 3-492-24070-4


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Andrea und Marie

156 Seiten, Blanvalet Taschenbuch 2001
ISBN 3-442-35479-X
Umschlagmotiv: Uli Gleis


Wie lang war das schon her? Zwei Monate? Ein Vierteljahr? Ihr letzter lauter Streit ging um die Zeitung: wie schon so oft, sah sie den ihr gnädig überlassenen Teil der Süddeutschen zerfleddert neben ihrem Teller liegen, als wäre dies der Platz für den Müll, und Marie explodierte: “Soll ich das jetzt anzünden, oder was?”
Ralfs Gesicht lugte, ärgerlich erstaunt hinter dem Feuilleton hervor.
“Guten Morgen”, sagte sie leiser, aber noch immer zornig hinterher, was die Falten zwischen Ralfs Brauen zwar nicht zum Verschwinden brachte, aber dafür diesen wachsamen Ausdruck in seine Augen, den sie immer annahmen, wenn er sich zur Verteidigung aufraffte.
“Kriegst du deine Tage jetzt schon alle zwei Wochen?” raunzte er und duckte sich, als rechne er mit einem Wurfgeschoss...

Der liebe Satz:

...fehlt... 

Der böse Satz:

...auch...

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Das Aquarium

335 Seiten, Eichborn 2002
ISBN 3-8218-0895-0
Umschlaggestaltung: Christina Hucke
Umschlagmotiv: Uli Gleis

Ich war nach dem Unfall ein anderer Mensch. Meine Freundschaften gingen an Textmangel ein. Ich hatte das Plaudern verlernt und antwortete entweder gar nichts oder das Falsche, sagte irgendwas viel zu Großes auf eine kleine Bemerkung, und alle verstummten. Um nach peinlichen Sekunden wieder von vorn anzufangen mit dem Klangteppich aus Worten und Sätzen, der für nichts weiter sorgen sollte als Wärme und den ich auf einmal weder verstand noch ertrug. Wie die sinnlose Musik in Kaufhäusern, Saunen und Toiletten.
Ich war dem Tod von der Schippe gesprungen, und das Leben erschien mir nicht etwa kostbarer, sondern beliebiger. Hätte ich eine Lücke hinterlassen, dann wäre die eben geschlossen worden. Ein paar Tränen von ein paar Trauernden, ein paar Dinge, die den Besitzer wechseln, Kleider, die im Container landen, CDs und Platten in einem Secondhandladen, Bücher beim Antiquar und Briefe, die man auf keinen Fall wegschmeißen wird und dann natürlich doch nach einer Anstandsfrist, und zwar ohne den Karton noch mal zu öffnen. Und bald sind die Erwähnungen meines Namens von kleinen prüfenden Seitenblicken flankiert, ob der andere auch noch so traurig guckt, und die Zeit heilt alle Wunden, so was gibt sich irgendwann, und dann ist gut. Von mir bleibt nichts, und die Welt ist davon nicht ärmer geworden.
Ich fühlte mich einsam und fühlte mich wohl. Wenn ich Gesellschaft suchte, dann nur noch die von Fremden. Als Zaungast. Im Kino, auf Konzerten, in Cafés und Restaurants. Die Zeit wurde mir nicht lang dabei, denn ich wartete nicht mehr. Ich wurde höchstens müde. So also sah die Freiheit aus. Zumindest eine Spielart: meine...

Der liebe Satz: 

Ein furioser Roman: abgründig, hoch spannend, brillant. (Focus)

Der böse Satz:

Eine einzige Peinlichkeit. (C. Cebulla, Eichstätt)

Droemer Taschenbuch 2003
ISBN 3-426-62365-X

 

Droemer Taschenbuch 2005
ISBN-10: 3426632551
ISBN-13: 978-3426632550

  

Piper Taschenbuch 2011
ISBN-10: 3492272622
ISBN-13: 978-3492272629

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Die gefährliche Frau 

231 Seiten, Piper 2004
ISBN 3-492-04570-7
Umschlaggestaltung: RME München

In Wirklichkeit tut Liebe weh. Das wissen alle, aber alle träumen weiter. Von dem Mann, dessen Leidenschaft nie versiegt, ebensowenig wie sein Verständnis und seine Zärtlichkeit, der nach zwanzig Jahren Ehe noch immer behauptet, er wolle jetzt, in diesem Moment, gern wissen, was durch ihren Kopf geht. Nach zwanzig Jahren Ehe weiß er noch immer nicht, daß es sich um Schuhe dreht, die zwar wehtun, aber größer machen, oder darum, ob die beiläufige Bemerkung einer Bekannten vielleicht eine versteckte Gemeinheit enthielt. Er sieht gut aus, genießt hohes Ansehen und hat nur Augen für sie.
Ich träume nicht mehr.
Es war Ende August. Die Strahlen der Nachmittagssonne drangen nur vereinzelt, gefiltert vom Laub der Linden zu mir durch, ich genoß die schläfrige Spätsommerstimmung - meine Nachbarn waren noch in den Ferien, ihre Kinder gingen sonstwem auf die Nerven - das Verkehrsgebrumm wurde gedämpft von den Gärten ringsum, und die Katzen dösten, jede in ihrem eigenen Sonnenfleck. Nur Valentino lag wie immer auf dem Schreibtisch, eine Pfote lässig auf mein Mauspad gelegt, als wolle er noch im Schlaf sagen: das gehört mir, so wie du mir gehörst und jeder Platz, auf dem du sitzst oder liegst oder stehst. Er träumte vielleicht, vergaß das Schnurren, atmete flach und hatte den zufriedenen Ausdruck auf seinem Gesicht, um den ich ihn, seit er bei mir ist, beneide...

Der liebe Satz:

Ein erzählerisches Kabinettstückchen, das selbst abgebrühte Geister nicht kalt lässt. (Züricher Tagesanzeiger)

Der böse Satz:

...die Geschichte ist langweilig und der Schreibstil etwas für Nichtleser. (Ingridgretel bei amazon)

Piper Taschenbuch 2006
ISBN 978-3-492-24614-9

Neuausgabe 2010

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Singvogel

203 Seiten, Piper 2005
ISBN-13: 978-3-492-04748-7
ISBN-10: 3-492-04748-3
Umschlaggestaltung: Roland Eschlbeck

Wie schnell sich doch die Dinge ändern. Vor weniger als drei Wochen war ich noch ein zufriedener Pessimist in einem aufgeräumten Leben, der glaubte, sich zu kennen, und nicht wußte, daß man auch verlieren kann, was man nie besaß.
Es war der neunte Januar, und ich war fünfzig Jahre und zwei Tage alt und so wenig begierig, den Tag zu pflücken, daß ich mich wieder und wieder im Bett umdrehte und bis zum Anschlag weiterschlief. Erst als es mir auch mit Kraft nicht mehr gelang, die Lider geschlossen zu halten, klappte ich die Decke weg und schlurfte ins Bad, um den Morgenmantel zu holen, und dann in die Küche, um mit erwachenden Lebensgeistern an der nagelneuen chromblitzenden Gaggia - Espressomaschine, meinem Geburtstagsgeschenk, zu hantieren.
Sie war schon eingeschaltet und damit aufgewärmt, eine Tasse stand davor, und daneben lag eine Notiz: Mülltüten, Glühbirne, OB, Buttermilch, die tägliche Einkaufsliste. Ich ging in den Flur zur Garderobe und steckte den Zettel gleich ins Jackett, sonst würde ich ihn vergessen, wie ich mittlerweile nahezu alles vergaß, wenn es nicht aufgeschrieben an der richtigen Stelle klebte, steckte oder lag....

Der liebe Satz: 

...spannend, amüsant und mit Schwung. Einfach nur Klasse. (Christine Westermann, WDR)

Der böse Satz:

...wer gerne ZDF-Fernsehfilme sieht, wird mit dem Buch zufrieden sein. (Bela Bugge bei amazon) 

Piper Taschenbuch 2006
ISBN-13: 978-3-492-24793-1
ISBN-10: 3-492-25793-8

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Eine kurze Geschichte vom Glück

224 Seiten, Piper 2007
ISBN-13: 978-3-492-04920-7
ISBN-10: 3-492-04920-6
Umschlaggestaltung: Roland Eschlbeck 
und Kornelia Bunkofer

Der Anruf kam kurz nach elf.Ich hatte bis dahin schon sieben Zigaretten geraucht, trank eben den vierten Espresso und dachte darüber nach, ob ich ein Aspirin schlucken sollte. Falls mein Kopfweh von dem billigen Wein herrührte, den ich am Abend zuvor getrunken hatte, dann würde es auch so weggehen – aber wenn es am Wetter lag, der bleigrauen Wolkenwand, die sich von Westen, von Frankreich her langsam näher schob, aber partout nicht ankommen wollte, dann nähme es zu und überschritte bald den Punkt, an dem keine Tablette mehr hilft. In diesem Fall musste ich rechtzeitig gegensteuern. Schmerzmittel sind Drogen, ich gehe sparsam damit um, weil ich nicht in Abhängigkeit geraten will. Nicht auch noch davon. Alkohol, Zigaretten und Kaffee, das ist genug. Laster braucht der Mensch, die unterscheiden ihn vom Roboter, aber man muss auch seine Grenzen kennen...

Der liebe Satz: 

...Bayer beweist, welche Suchtgefahr in ihm steckt... (Andreas Debski, Leipziger Volkszeitung)

Der böse Satz:

...Darf man so etwas Kitsch nennen? Wohl schon. (Uwe Wittstock, Berliner Morgenpost) 

Der Club 2007
Hardcover Ausgabe
Bestellnummer: 093698

  

Piper Taschenbuch 2009
ISBN 978-3-492-25299-7 

Der Club 2011
Hardcover Ausgabe
Bestellnummer: 121622013


 

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Aprilwetter 

256 Seiten, Piper 2009
ISBN-10: 3492051634
ISBN-13: 978-3492051637
Umschlaggestaltung:  Roland Eschlbeck

 

Hier ist alles, was er braucht. Hier weiß Benno wer er ist. Von neun Uhr morgens bis abends um sechs steht er hinter der Theke und macht Espresso, Cappuccino und Milchkaffee. Mehr als Gruß und Lächeln wird hier nicht von ihm erwartet; für den Text der Unterhaltung sorgen alle lieber selbst. Sie sind mit sich beschäftigt, ihren Plänen, ihren Wunden, ihrer Einsamkeit. Der sich die meisten just entronnen glauben, hierher in den Rauch und Kaffeeduft, das Stimmengewirr und Klappern von Geschirr, zu den anderen, zu ihm, ins La Storia. Sie fühlen sich unter Gleichen, aber auch wenn die Gemeinsamkeiten überwiegen – alle schlafen, essen, sehnen sich und werden sterben –, ist doch das, was sie trennt, von Gewicht: ihr Bild von der Welt. Bei Günther Jauch würde sich jeder woanders geschlagen geben. Der eine hat noch nie von Montessori gehört, die andere nicht von Eichmann, der dritte hält eine Synapse für etwas aus der Bibel, und die vierte Willy Brandt für einen Schauspieler. Natürlich kennen sie alle Einstein, Hitler und Lady Di, vielleicht auch Gandhi, Bob Dylan und Mao, aber das hilft ihrer Orientierung in der Welt und Geschichte etwa soviel, als glaube man Deutschland zu kennen, wenn man in Hamburg war.  

Der liebe Satz: 

...auf sympatische Weise aus der Zeit gefallen... (Hendrik Werner, Die Welt)

Der böse Satz:

...mit Hang zur Trivialität... (Anke Breitmaier, Esslinger Zeitung)

Piper Taschenbuch 2010
ISBN 978-3-492-259057

 

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Fallers große Liebe

196 Seiten, Piper 2010
ISBN-10: 3492053564 
ISBN-13: 978-3492053563
Umschlaggestaltung:  Roland Eschlbeck und Kornelia Rumberg

Als ich am Morgen den Laden aufschloss, fühlte ich mich wie nach einer langen Reise, aber es war nur eine kurze Nacht, die hinter mir lag. Mich empfing der liebenswürdige Mief gebrauchter Bücher, die stolz, geknickt oder gleichgültig auf ein zweites Leben warteten. Die wollten was von mir. Ich sollte für sie da sein. Mir war ein bisschen übel und schwindlig, aber das würde sich geben. Ich musste dazu nur die Brille absetzen, das unterwegs gekaufte Sandwich essen und ein bisschen Luft hereinlassen. Es gibt Tage, da sollte man nicht vor die Tür gehen, nicht mit der S-Bahn fahren, sich nicht vom eigenen Spiegelbild in Schaufenstern erwischen lassen und vor allem nicht mit einer neuen Brille experimentieren: Nieselregen verwandelt das Sommerjackett in einen Lappen, mürrische Lehrlinge mit blondierten Haarspitzen drängen einem unschöne Musik auf, die blechern aus ihren Handys gellt, sondern grelle Gerüche ab und glotzen wie Fische durchs Glas des Aquariums unverständig in die ihnen offenbar rätselhafte Welt; im Fenster der Dessous-Boutique sah ich aus wie ein nur zufällig noch nicht ergrauter Sechzigjähriger, und das auch noch verzerrt, weil mein Gehirn noch nicht mit den stärkeren Brillengläsern zurechtkam, an die ich mich erst noch gewöhnen musste. 

Der liebe Satz: 

...Sätze, die auch ohne Textmarker leuchten... (Torsten Woywod auf seiner Homepage)

Der böse Satz: 

...dem deutlich gemachten Anspruch nach Höherem nicht gerecht... (Max Ballerstaller bei Amazon)

 

 

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Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin

160 Seiten, Piper 2010
ISBN-10: 3492053572
ISBN-13: 978-3492053570 
Umschlaggestaltung:  Kornelia Rumberg



"Sakrament, bist du schön.“ Die weiße Katze mit den grauen und schwarzen Flecken saß auf einem Holzstoß am Wegrand. Ich ging unwillkürlich langsamer, um sie nicht zu erschrecken, näherte mich bis auf etwa zwei Meter und blieb dann stehen. Wäre sie am Boden gesessen, hätte ich mich in die Hocke begeben. Das tue ich immer, denn der Charme von Katzen weht mich seit jeher an wie eine Botschaft oder Ahnung, etwas das ich zwar empfange, aber nicht verstehe und deshalb umso aufmerksamer beachte – vielleicht ist es nur das: wenn ich eine Katze sehe, dann weiß ich, dass ich lebe.
         „Das ist kein Grund zu fluchen“, sagte sie.
         „Wie bitte?
         „Hast du schon verstanden.“
         „Sprichst du?“
         „Klar.
         „Menschensprache?“
         Nicht direkt. Es kommt in deinem Kopf als Menschensprache raus, ich spreche nicht wirklich, es passiert innen, ich muss nicht mal den Mund aufmachen dafür. Oder siehst du mich miauen?“
         Sie gähnte, streckte sich, zuerst nach vorne, dann nach hinten, dann nahm sie wieder ihre sitzende Haltung von eben ein und schaute vor sich hin, als warte sie auf das Erscheinen einer Maus direkt zwischen ihren Pfoten. Für mich sah das ein bisschen gelangweilt aus, aber ich konnte mich täuschen, mir war schon klar, dass unsere Körpersprache sich von der katzischen unterscheidet

Der liebe Satz: 

...ein Kennzeichen guter Literatur. Sie ist wahrhaftig. Sie stimmt, sie ist nicht überhöht, sie verkrampft sich in keiner ideologischen Weltsicht, sie trifft immer die richtigen Töne. Ein Meisterwerk. (Maria Ossowski, Kulturjournalistin)

Der böse Satz: 

...In jeder Hinsicht klein... (Andrea Diener- FAZ)

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